18 lange Minuten lebte Martin Luther King noch nach den Schüssen, die auf ihn abgegeben wurden. Dann starb er. In den Armen seines Freundes Ralph Abernathy. Man sagt, dass kurz vor dem Tod das Leben wie im Zeitraffer noch einmal vor dem geistigen Auge abläuft.
Ron Williams hat diese 18 Minuten ausgebaut zu einem zweistündigen Bühnenstück. Voller Intensität, mit Musik, Tanz und einer Abfolge bewegender Szenen, in denen wir Kings Freunde aber auch Feinde kennen lernen. Wir erfahren von seinen Motiven, wie und warum er die große Stimme der Freiheit und Liebe wurde. Seine Botschaft, in der Vergangenheit so mitreißend gewirkt hat und die für Gegenwart und Zukunft auf unserer Erde nichts an Brisanz und Aktualität eingebüßt hat.
„Martin Luther King – THE KING OF LOVE“ beginnt mit dem Attentat auf Martin Luther King. Er und sein engster Freund, der Baptistenpfarrer Ralph Abernathy, stehen am Balkon des Lorraine Motels in Memphis. Sie machen Scherze, plaudern – da fällt der tödliche Schuss. Das Gospel „Freedom Land“ bettet diese Szene ein und zeigt den Weg, den King als Vision vor sich sah.
In der Rückschau lernen wir Kings Gegner kennen, allen voran J. Edgar Hoover, damals Chef der amerikanischen Bundespolizei, des FBI. Mit dem Song „My Name is Hoover“ präsentiert sich dieser machtgierige Mann, den Ron Williams – und nicht nur er - im Gespräch als „Rassisten, Antisemiten und sogar Faschisten“ bezeichnet. Ironie der Geschichte, so ergaben Williams´ Recherchen: „Er hatte zu einem Drittel schwarzes Blut in seinen Adern!“
Die nächste Szene: wir erleben die Hochzeit mit Coretta King. Das Gospel „In the Name of Love“ zelebriert die Liebe, die mitten im politischen Geschehen Martin Luther King Halt gibt. Im Gespräch mit seinem Vater erzählt uns King, wie er selbst das erste Mal den Rassismus in den Südstaaten erlebte. Wir sind dabei, als King Pastor wird, wie er den Busboykott in Montgomery organisiert und verfolgen seinen rasanten Aufstieg zur führenden Stimme der Bürgerrechtsbewegung. Hautnah sind wir dem King of Love, wenn er über die Ziele der Bürgerrechtsbewegung hinaus auch gegen den Vietnamkrieg von der Kanzel aus zu Felde zieht und sich damit auch Feinde in den eigenen Reihen macht.
So vielfältig sein Leben, so konträr seine Freunde wie Feinde, so bunt ist die Musik, die Martin Luther King auf der Bühne feiert. Gospel ist natürlich dabei, wenn die Bürgerrechtsbewegung ihre Vision und ihren geistigen Führer zelebriert. Soulballaden begleiten Martin Luther King in seinen dramatischen Momenten des inneren Widerstreits. Wenn der Ku Klux Klan auftritt, dann untermalt die Musik der Südstaaten, Country-Rock und Bluegrass, die unmenschliche Slogans ihrer Kundgebungen. Und als Malcolm X - die zweite wichtige Person der Schwarzen in den 60ern - King im Gefängnis besuchen will, reimt er seine Bekenntnisse in RAP-Form. 20 Songs unterschiedlicher Genre bebildern das Leben von Martin Luther King.
Ein ernstes, ein politisches Thema mit den Mitteln des Entertainments. Geht das? Es geht – und mehr als das. „Martin Luther King – THE KING OF LOVE“ gibt den Blick frei auf diese Ikone des 20. Jahrhunderts.
Sein Charisma, seine Person, das Gewicht seiner Stimme für die Armen und Entrechteten tritt aus den Seiten der Geschichtsbücher und wird in dieser Inszenierung wieder lebendig - und hochaktuell. Wenn man sich die amerikanische Politik, aber auch die Weltpolitik anschaut und die Unsicherheit, den Terror und die Angst auf der Erde in unserer Gegenwart, dann kann in dieser Person aus der Vergangenheit ein Funke Hoffnung für die Zukunft geschöpft werden. Denn Martin Luther King hatte bereits Antworten für unsere größten Probleme gefunden. Wir müssen sie nur wieder hören.
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Ron Williams: Autor, Komponist, Hauptdarsteller deutsch english